Das heilige innere Kind | Psychologie für Zuhause

Im Dezember, dem Weihnachtsmonat wollen wir uns einmal mit den positiven Aspekten unseres inneren Kindes beschäftigen. Bis jetzt haben wir uns ja meistens damit auseinandergesetzt, wie uns unsere inneren Kinder in der Kommunikation behindern, wie sie unsere Erwachsenen-Entscheidungen beeinträchtigen. Aber…

Das heilige innere Kind | Psychologie für Zuhause

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Im Dezember, dem Weihnachtsmonat wollen wir uns einmal mit den positiven Aspekten unseres inneren Kindes beschäftigen. Bis jetzt haben wir uns ja meistens damit auseinandergesetzt, wie uns unsere inneren Kinder in der Kommunikation behindern, wie sie unsere Erwachsenen-Entscheidungen beeinträchtigen.
Aber das freie, geliebte Kind kann uns auch sehr helfen.
Warum sind wir so wenig in unserem freien Kind? Unbeschwert, kreativ, des Zuspruches sicher, nicht in einer permanenten Ablehnung? Im Kind, das Fehler machen darf, und dann nur korrigiert und nicht be- oder entwertet wird von einem kritischen Eltern-Ich in uns.
Mit jedem Kind kommt die bedingungslose Liebe für seine Eltern auf die Welt. Jedes Neugeborene Kind ist fähig, bedingungslos zu lieben. Und hier ist auch der Link zu Weihnachten. Deshalb ist Gott nämlich als Kind auf die Welt gekommen – mit einer bedingungslosen Liebe, die eigentlich göttlich ist.
Als Psychologin habe ich sehr viel mit Menschen zu tun, die wenig bis gar keinen Zugang zu ihrem inneren Kind haben. Sie sind als Kind schlecht behandelt worden. Zum einen, weil ihre Eltern einfach nur Menschen mit Fehlern und ihrer eigenen Geschichte sind. So gibt es z.B. Eltern, die trietzen ihre Kinder, weil sie wollen, dass die Kinder erfolgreich werden im Leben und merken gar nicht, wie sie ihr Kind dabei verbiegen und entwerten. Manche Eltern sind selber sehr belastet, weil sie krank sind, – körperlich, psychisch oder süchtig.
Schwere seelische Wunden, vor allem nach sexuellem Mißbrauch in der Kindheit, betreffen die spirituelle Dimension. Das heißt, die drei Gaben Glaube, Liebe und Hoffnung sind verletzt. Dies hat Auswirkungen auf das weitere Leben. Wie sollte ich irgendjemandem vertrauen, wenn der Mensch, den ich als Kind bedingungslos liebte, so schlimm mit mir umgegangen ist. In der Jugendhilfe waren BetreuerInnen unglücklich, dass die Jugendlichen, die kamen, keinerlei Vertrauen hatten, keinen Glauben in unsere guten Absichten, keine Hoffnung, dass etwas in ihrem Leben besser werden könnte. Die Liebe hatten sie oft aufgegeben für Gefühle von Macht, weil sie nie wieder ohnmächtig sein wollten. Wenn wir die Familiengeschichte kannten, konnten wir das gut verstehen. Die Kinder wären doof gewesen, wenn sie noch einmal vertraut hätten. Sich zurückzuziehen und anderen zu misstrauen und das eigene innere Kind sogar vor sich selber zu verstecken, war eine ganz gesunde Überlebensstrategie.
Die Jugendlichen haben oft gewütet, gegen zu Nahe kommen, gegen Regeln, gegen alle Anweisungen, die „von oben“ kamen. „Ich lasse mich nicht zwingen, Hausaufgaben zu machen, ich lasse mich nicht zwingen, zu einer bestimmten Zeit zum Essen kommen zu müssen. Ich will Essen wann ich will, das ist Freiheitsberaubung… usw. )
Natürlich muss man dann Regeln erklären, warum es sie gibt. Und oft habe ich dann irgendwann gesagt. Schau mal, Du bist hier in einem Zimmer und von dem gehen Türen aus, und manche davon sind zu. Du kannst Dir jetzt ständig den Kopf an den geschlossenen Türen blutig rennen oder schauen, was das für ein Zimmer ist und wie Du es einrichten und was Du darin machen willst.
Denn es ist nicht so, dass man, wenn man in Gewalt aufgewachsen ist, ständig im inneren und äußeren Krieg leben muss. Nicht nur der Vater der Transaktionsanalyse Eric Berne hat gesagt, dass es manchmal sinnvoll und hilfreich ist, Neuentscheidungen zur treffen. Und ein berühmter Psychiater, Viktor Frankl, hat einmal gesagt, man könne sich immer entscheiden. Zwischen Reiz und Reaktion gäbe es einen kleinen Moment, wo man selber die Freiheit der Entscheidung über das hat, was man tut. Und wenn man bedenkt, dass Viktor Frankl selbst das KZ überlebt hat und seine ganze Familie dort starb, ist das sehr beeindruckend, dass er trotzdem immer noch die Möglichkeit der freien Entscheidung so hoch hält – auch wenn es nur eine innere Entscheidung ist.
Weihnachten lädt uns ein, wieder Vertrauen in das göttliche Kind in uns zu suchen. Menschen absolut zu vertrauen kann gefährlich sein – weil wir alle Fehler haben. Aber ein Grundvertrauen darin, dass Menschen nicht zum Scheitern geschaffen wurden, kann uns helfen, das Leben etwas leichter zu ertragen und ab und zu inneren Frieden finden.
Ich wünsche Ihnen in der Weihnachtszeit, dass Sie einen Zugang zu ihrem inneren Kind finden, das geliebt, froh und lebendig ist.

Bleiben Sie behütet!

Die Psychologischen Beratungsstellen der evangelischen und katholischen Kirchen in Deutschland sind weiter für Sie da, unabhängig von Religion oder Glauben.
Auch bei Ihnen vor Ort!
Rufen Sie an – Telefonnummern unter:
https://www.ekful.de/ueber-uns/beratungsangebote/
https://www.katholische-beratung.de/

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